Nach dieser Fahrt werde ich am häufigsten gefragt, meist mit dem Zusatz: „Nur selbst fahren wollen wir nicht.“ Das verstehe ich: eine Grenze, fremdes Geld und Unsicherheit beim Fotografieren. So läuft der Tag ab: Morgens hole ich Sie am Hotel in Chișinău ab, fahre die ganze Strecke selbst, rede an der Grenze mit den Beamten, und von Ihnen brauche ich nur den Pass. Nach gut einer Stunde fahren wir über die Dnjestr-Brücke, und in Tiraspol fragt garantiert jemand: „Sind wir eigentlich noch in Moldau?“ Formal ja, doch es fühlt sich wie eine andere Zeit an.
Meist kommen Gäste, die Klöster und Weinkeller schon kennen und etwas ganz anderes suchen. Manche fliegen sogar nur für diesen Tag nach Moldau. Auch für größere Gruppen passt er: Wir fahren auf der Hauptstraße, gelaufen wird auf ebenen Alleen, bergauf muss niemand.
Zuerst die Holzkirche
Schon auf dem Weg aus Chișinău Richtung Transnistrien machen wir einen einzigen kurzen Halt, etwa eine Viertelstunde. Am Stadtrand, im Dorfmuseum, steht eine Holzkirche, die fast vierhundert Jahre alt ist: Irgendwann hat man sie aus einem Kloster hierhergebracht und neu aufgebaut. Ich nenne diesen Halt „Moldau vor der Abfahrt“: Anderthalb bis zwei Stunden später stehen Sie auf dem Platz in Tiraspol vor Lenin, und nach dem dunklen Holz und der Stille dieses Ortes muss ich Ihnen den Unterschied nicht mehr erklären. Kennen Sie die Kirche schon von einer Stadtführung, warten Sie ruhig im Auto, auf diesem Halt bestehe ich nicht.
Der Grenzübertritt in ein paar Minuten
Bis Tiraspol sind es etwas mehr als siebzig Kilometer, und die Grenze liegt ungefähr auf halber Strecke. Unterwegs erzähle ich, wie hier im Lauf der Jahrhunderte die Grenzen verliefen und warum man am linken Ufer bis heute Russisch spricht. So kommen Sie an die Brücke und wissen schon, was Sie sehen werden, und Lenin auf dem Platz wirkt später nicht wie eine zufällige Kulisse.
Der Grenzübertritt ist einfacher, als man denkt. Wir fahren an den Posten, ich gebe die Fahrzeugpapiere ab, Sie zeigen Ihre Pässe, und nach ein paar Minuten geht es weiter. Am Wochenende dauert es mitunter etwas länger, das plane ich ein. Bürger der EU, der USA und fast aller anderen Länder bekommen bei der Einreise eine kostenlose Migrationskarte, das dauert etwa fünf Minuten. Bürger Moldaus reisen frei ein, ihnen genügt der Personalausweis, ein Pass ist nicht nötig. Die Grenzbeamten sprechen Russisch, also spreche ich mit ihnen. Vor der Buchung sollten Sie nur eines wissen: Mit ukrainischem Pass kommt man nicht hinein. Mit jedem anderen gibt es keine Probleme.
Hinter der Brücke beginnt das, weswegen man herkommt. Andere Nummernschilder an den Autos, eine andere Währung, für die wir erst Geld wechseln müssen, andere Straßennamen auf den Schildern. Die ersten Fragen kommen meist im Auto, aber ich beantworte sie lieber auf dem Platz, wo ich auf alles zeigen kann.
Was Gäste in Tiraspol überrascht
Die Stadt wurde 1792 auf Befehl Suworows gegründet, und Suworow selbst empfängt die Besucher bis heute hoch zu Ross im Zentrum. Durch Tiraspol gehen wir zweimal: einmal durch das Universitätsviertel, einmal durch das Zentrum, dazwischen gibt es Mittagessen, zusammen etwa zwei Stunden zu Fuß. Die Alleen im Zentrum sind so breit, dass man sie am liebsten in zwei Etappen überqueren würde; wir kommen zum Haus der Sowjets mit Lenin davor, gehen die Straße des 25. Oktober entlang und an den Gebäuden vorbei, die man hier Botschaften nennt. Und auf den Markt gehen wir immer, ohne ihn ist ein Rundgang durch Tiraspol nicht komplett. Unterwegs erzähle ich, woher das alles kommt und warum es nie verschwunden ist. Wie es hier so gekommen ist, erzählt man an den beiden Ufern des Dnjestr unterschiedlich, deshalb gebe ich Ihnen beide Versionen, und die Schlüsse ziehen Sie selbst.
Lenin erwarten die Gäste, er ist auf jedem Foto. Überrascht sind sie meist von etwas anderem: Die Stadt lebt. Am Brunnen stehen Kinderwagen, auf den Bänken sitzen Studenten, jemand läuft mit einem Eis vorbei. Man kommt, um ein Museum des Kalten Krieges zu sehen, und landet in einer gewöhnlichen Stadt, in der Menschen einfach leben, und das berührt mehr als jedes Denkmal. Im Sommer gibt es mittags auf den Alleen wenig Schatten, da kommt das Mittagessen zwischen den beiden Rundgängen genau richtig.
KVINT, Sheriff und Aquatir nach Wunsch
Drei Orte können wir nach Absprache zusätzlich besuchen. Der erste ist die Brandy-Fabrik KVINT, die seit 1897 in Betrieb ist und auf die man hier stolz ist. Keller gibt es dort keine, die Führung führt durch die Produktionsräume und die Räume, in denen der Brandy lagert. Die Verkostung von vier oder fünf Brandys unterschiedlichen Alters gibt es nur nach Voranmeldung, vor Ort lässt sie sich nicht organisieren, sagen Sie also bei der Buchung Bescheid. Ich habe mehr als einmal gesehen, wie ein fünfundzwanzigjähriger Brandy Menschen begeistert, die so etwas vorher nie getrunken haben. Der zweite Ort ist das Sheriff-Stadion: 2021 hat ein Klub aus einem nicht anerkannten Gebiet Real Madrid im Bernabéu geschlagen, und im Fanshop nebenan erinnert man sich bis heute daran. Interessiert Sie Fußball nicht, fahren wir einfach vorbei, ohne Zeit zu verlieren. Der dritte ist Aquatir, eine Störfarm, auf der wir anhalten und Kaviar probieren können.
KVINT, Sheriff und Aquatir können Sie vor Ort selbst bezahlen oder über mich, wenn wir vorab vereinbaren, sie in den Preis der Fahrt aufzunehmen. Ich rate zur zweiten Variante.
Mittagessen in der Stolowaja
Wir essen dort, wo mittags die Einheimischen hingehen: in einem Café, das wie eine sowjetische Kantine eingerichtet ist, mit Tablett, Olivier-Salat, Borschtsch, Kotelett mit Kartoffelpüree, Pelmeni und Kompot. Deutsche Gäste fotografieren meist das Tablett, Amerikaner fragen, was Kompot ist, und bitten dann um ein zweites Glas. Wer mag, bekommt zum Essen auch ein kaltes Bier. Das Mittagessen zahlen Sie separat vor Ort, aber kaum jemand verzichtet darauf, und meist esse ich mit Ihnen. Nebenan ist ein Souvenirladen, wo die ersten Rubel zum Einsatz kommen.
Kloster und Festung am Nachmittag
Von Tiraspol fahren wir nach Chițcani, zum Kloster Noul Neamț. Es ist ein bewohntes Männerkloster, 1864 gegründet und eines der größten in Moldau, und sein Glockenturm, rund siebzig Meter hoch, gilt als der höchste des Landes und ist lange vor dem Tor zu sehen. Hier leben Mönche, deshalb gehen wir leise und ohne Eile. Nach den Alleen und dem Haus der Sowjets ist es auf dem Gelände ungewohnt ruhig, und unsere halbe Stunde hier fühlt sich länger an. Für viele Gäste ist das eine Überraschung, denn ein Kloster erwartet in Transnistrien niemand.
Der letzte Halt ist Bender mit der Festung am Ufer des Dnjestr. Bender liegt näher an Chișinău als Tiraspol, etwa sechzig Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Deshalb hebe ich die Festung für den Schluss auf, damit der Heimweg kürzer wird. Die Osmanen haben sie im 16. Jahrhundert an der Stelle einer älteren Befestigung gebaut. Sie ist größer als die Festung in Soroca und war häufiger umkämpft, deshalb erzähle ich die Geschichte der Russisch-Türkischen Kriege erst an den Mauern und Kanonen und nicht im Auto. Gegen Abend fällt die Sonne seitlich auf die Mauern, und das ist das beste Fotolicht des ganzen Tages. Für Festung und Stadt rechnen wir mit etwa anderthalb Stunden, für die Fahrt nach Chișinău mit rund einer Stunde. Auf dem Rückweg dauert der Grenzübertritt ebenfalls nur ein paar Minuten, und zu Abend essen Sie schon in Chișinău.
Was Sie mitnehmen und vorher wissen sollten
Das gehört ins Gepäck und ist vorab zu bedenken:
- Pass, unbedingt. Jeder Pass außer dem ukrainischen ist in Ordnung, Bürgern Moldaus genügt der Personalausweis. Die Migrationskarte bei der Einreise ist kostenlos.
- Bargeld. Der transnistrische Rubel wird außerhalb des Gebiets weder getauscht noch angenommen, deshalb tauschen wir vor Ort genau so viel, wie Sie für Mittagessen und Souvenirs brauchen. Getauscht werden Euro, Dollar und etwa zehn weitere Währungen, aber nur neue Scheine: Abgenutzte werden gar nicht angenommen.
- Fotos. Das Haus der Sowjets, Lenin, Denkmäler und Straßen dürfen Sie fotografieren, aktive Militärposten und Kontrollpunkte aber besser nicht. Ich sage Ihnen, wann das Handy in die Tasche gehört.
- Vor Ort zu zahlen. Mittagessen, Eintritt in Festung und Kloster. KVINT, Sheriff und Aquatir ebenfalls vor Ort oder über mich, wenn wir sie vorab in den Preis der Fahrt aufgenommen haben.
Zur Sicherheit sage ich dasselbe wie in meinen Nachrichten. Formal ist das ein Gebiet mit einem eingefrorenen Konflikt, im Alltag ist das Leben aber ruhig: Der Konflikt von 1992 ist seit mehr als dreißig Jahren vorbei, und Touristen kommen regelmäßig, am häufigsten aus Deutschland, den USA und Großbritannien. Die Lage prüfe ich am Tag der Fahrt, nicht eine Woche vorher. Sage ich die Fahrt aus Sicherheitsgründen ab, bekommen Sie Ihr Geld vollständig zurück oder wir verlegen den Tag auf ein anderes Datum, wie es Ihnen passt.
Das Auto richtet sich nach der Zahl der Gäste: ein Toyota Prius+ für bis zu vier Personen, ein Opel Vivaro für fünf oder sechs, ein Mercedes Sprinter für Gruppen von sieben bis zwanzig. Im Preis enthalten sind der Guide, das Auto mit Kraftstoff für den ganzen Tag, die Führung in Ihrer Sprache (Englisch, Deutsch, Russisch oder Rumänisch), Abholung und Rücktransfer innerhalb von Chișinău und Wasser im Auto. Wenn Ihnen Italienisch, Spanisch oder Türkisch lieber ist, fährt ein Guide aus meinem Team mit, der diese Sprache spricht. Kinder sind willkommen, Kindersitze gibt es, sagen Sie nur vorher Bescheid; in der Festung interessieren sie sich am meisten für die Kanonen, beim Mittagessen für das Kompot. Die Route passt zu jeder Jahreszeit: Im Winter, ohne Grün, wirkt Tiraspol noch sowjetischer als im Sommer, und wie wir der Hitze ausweichen, habe ich oben schon geschrieben. Reicht ein Tag nicht, gibt es Routen über zwei oder drei Tage mit Übernachtung in Tiraspol, zu denen Rîbnița, Dubăsari und die Dörfer kommen können; die ganze Route besprechen wir separat.
Wenn wir zusammen fahren
Ich bringe seit vielen Jahren Gäste hierher und schaue auf der Brücke immer noch aus dem Fenster. Für den Anfang empfehle ich andere Fahrten: Klöster, Weinkeller und Orheiul Vechi. Aber dieser Tag ist etwas Besonderes: Eine Stunde von Chișinău entfernt fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, und Sie verbringen den Tag unter Menschen, die in dieser Zeit leben. Bin ich an Ihrem Wunschtermin schon ausgebucht, fährt dieselbe Route ein Guide aus meinem Team, und für den Ablauf bleibe ich verantwortlich. Werden Sie früher müde, fahren wir früher zurück; möchten Sie länger an der Festung bleiben, bleiben wir. Route, Autos und Anfrageformular finden Sie auf der Seite der Tour: Transnistrien an einem Tag.