Zuerst schaue ich auf Ihre Schuhe
Ich hole Sie morgens am Hotel ab, und während Sie einsteigen, schaue ich aus Gewohnheit auf Ihre Füße. Bei Turnschuhen fahren wir einfach los. Sandalen sind für diesen Weg nicht die beste Wahl, darüber reden wir unterwegs. An diesem Tag gehen wir nämlich zweimal auf Waldwegen, fast immer über Steine und Wurzeln, und am Wasser sind die auch noch nass. Aussteigen, Foto machen, weiterfahren, das gibt es hier nicht: Den größten Teil des Tages sind wir im Wald und am Wasser, und den Dnjestr sehen Sie unterwegs von der Straße aus und später von oben, in Țipova.
Ich mag diese Route, weil es keine Warteschlangen gibt: keine Busse mit fremden Gruppen, keine unterirdischen Galerien, in denen man sich fröstelnd in die Jacke wickelt. Nur der Weg, der Fluss und eine Stille, die beginnt, sobald Sie in Saharna aus dem Auto steigen. Wenn Sie wegen des Weins nach Moldau gekommen sind, rate ich Ihnen ehrlich zu einer anderen Route. Wenn Sie aber schon lange lieber gehen als sitzen möchten, passt dieser Tag besser als jeder andere.
Für wen sich dieser Tag eignet und für wen ein anderer
Vor allem für alle, die schon in einem Weinkeller waren oder gar nicht hinwollen. Für alle, die in Orheiul Vechi in fünfzehn Minuten auf dem Felsen standen und nach etwas Längerem gefragt haben: In Țipova dauern Ab- und Aufstieg etwa eine Stunde, und der Weg ist deutlich steiler. Für Familien, deren Kinder schon selbst laufen, denn am Wasserfall braucht ein Kind keine Erklärung. Und für alle, die gern fotografieren: Das wichtigste Bild des Tages, den Dnjestr von oben, machen Sie in Țipova, und zwar von mehreren Felskanten aus.
Nicht empfehlen würde ich ihn, wenn Ihnen eine halbe Stunde Abstieg über Steine und danach eine halbe Stunde Aufstieg schwerfällt oder wenn Sie früh wieder in der Stadt sein müssen, denn zurück sind wir erst gegen Abend. Wer sich von Moldau Weinberge erhofft, ist hier ebenfalls falsch: Ein Weingut gibt es auf dieser Route nicht, und ich nehme bewusst keines dazu. Zwei Wanderungen und ein langes Mittagessen dazwischen füllen den Tag ganz aus, und aus einem Spaziergang möchte ich kein Wettrennen um einen weiteren Halt machen.
Rund hundert Kilometer nach Norden
Bis Saharna fahren wir eine Stunde und fünfundvierzig Minuten, manchmal etwas weniger, und die erste Stunde auf der Hauptstraße vergeht im Gespräch. Ich erzähle, wie die Menschen hier leben, warum hier so viele Klöster über dem Fluss stehen und was es zu Mittag gibt, und Sie erzählen, warum Sie gekommen sind und was Sie schon gesehen haben. So vergeht die Fahrt schneller, vor allem aber merke ich dabei, wie gut jeder zu Fuß ist, und überlege, wie lange wir am Wasserfall in Saharna bleiben und wie viel Zeit ich für die Aussichtspunkte in Țipova lasse. Eine ausdauernde Gruppe geht schneller und sitzt länger am Wasser, eine vorsichtigere geht gemächlich und bleibt öfter stehen. Beides ist gut, denn an diesem Tag drängt nichts.
Saharna, der Wald und die Wasserfälle
In Saharna sind wir, bevor es heiß wird. Viele nennen das Kloster das schönste im Land. Ich widerspreche nicht, führe Sie aber weiter in den Wald, denn seinetwegen sind wir hergefahren. Ins Kloster selbst gehen wir, wenn Sie möchten.
Der Weg ist leicht: dreißig bis fünfundvierzig Minuten durch den Wald zum Wasserfall und zurück, ohne steile Stellen, sodass man gehen und reden kann, ohne außer Atem zu kommen. Das Wasser hört man immer, bevor man es sieht. Die Wasserfälle sind klein, Island sollten Sie nicht erwarten, dafür kommt man ganz nah heran, kann die Hände nass machen und in der kühlen Luft stehen, die sich selbst im Juli am Wasser hält. Meist verstummen die Gespräche dort für ein paar Minuten von selbst, und ich dränge niemanden.
Für Saharna plane ich reichlich Zeit ein, damit niemand zum Wasserfall hetzen muss. Manche gehen den Weg bis zum Ende, andere setzen sich am ersten Wasserfall auf einen Stein und bleiben dort. Auch das ist in Ordnung: An diesem Tag richtet sich der Zeitplan nach der Gruppe, und niemand kommt irgendwo zu spät.
Warum das Mittagessen in Lalova anderthalb Stunden dauert
Von Saharna nach Lalova sind es etwa fünfundvierzig Minuten, der Hanul lui Hanganu steht mitten im Dorf. Das Mittagessen ist freiwillig und wird vor Ort bezahlt, aber ich rate Ihnen, es nicht auszulassen. Es gibt moldauische Dorfküche ohne Restaurant-Schnickschnack, und nach dem Wald will man genau das: warm und reichlich. Die Gerichte wählen Sie selbst, ich übersetze die Speisekarte und erkläre, was sich dahinter verbirgt. Ein Glas Wein zum Essen ist möglich, denken Sie nur daran, dass der Ab- und Aufstieg in Țipova noch vor Ihnen liegt.
Die anderthalb Stunden sind Absicht. In der Mittagszeit steht die Sonne am höchsten, und diese Zeit verbringt man besser im Schatten mit einem Teller vor sich als auf einem offenen Weg. Nach dem Essen sind Sie ausgeruht, die Beine wollen wieder laufen, und die Hitze lässt nach. Im Sommer halte ich diese Reihenfolge streng ein und verschiebe bei Bedarf die Weiterfahrt, damit Sie erst nach der größten Hitze in Țipova losgehen.
Eine halbe Stunde hinab, eine halbe hinauf in Țipova, der Dnjestr tief unten
Nach dem Mittagessen fahren wir nach Țipova, das liegt ganz in der Nähe. Hier ist der Weg ein anderer: erst hinab, dann wieder hinauf, und ich würde ihn mittelschwer nennen. Der Abstieg dauert etwa dreißig Minuten, der Aufstieg ebenso lange. Stellenweise ist es steinig und ziemlich steil, also achten Sie darauf, wohin Sie treten und sehen sich erst oben um. Beim Aufstieg fragt garantiert jemand, wie lange es noch dauert, und ich sage: ungefähr noch einmal so lange. Es gibt mehrere Aussichtspunkte, und von jedem sieht der Dnjestr etwas anders aus: Kalksteinfelsen, der Fluss tief unten und drüben das linke Ufer, also Transnistrien. Wegen dieses Bildes bringe ich Menschen hierher, und am Nachmittag ist das Licht auf den Felsen weicher als am Mittag.
Wasserfälle hat auch Țipova, aber bis dorthin geht man etwa anderthalb Stunden hin und ebenso lange zurück, deshalb gehören sie nicht zum regulären Tagesprogramm. Wenn Sie hinmöchten, sagen Sie es vorher, dann vereinbaren wir das separat. Das Höhlenkloster in denselben Felsen zeige ich Ihnen auf jeden Fall, in diesem Artikel lasse ich es aber beiseite und erzähle davon vor Ort: Hier geht es um den Weg und um den Fluss von oben.
Zurück nach Chișinău sind es etwa anderthalb Stunden, und meist schlafen die Gäste etwa auf halber Strecke ein. Das nehme ich niemandem übel, sondern sehe es als Zeichen für einen gelungenen Tag.
Was Sie anziehen, was Sie mitnehmen und was vor Ort bezahlt wird
Sie brauchen Sohlen, die auf nassem Stein nicht rutschen: Turnschuhe gehen, Wanderschuhe sind noch besser. Sandalen sind hier alles andere als ideal, aber wenn Sie nichts anderes dabeihaben, können Sie darin gehen, sehr vorsichtig und auf eigene Verantwortung. Flip-Flops und Absätze bleiben besser im Hotel. Ziehen Sie sich in Schichten an, denn im Wald am Wasser ist es selbst im Sommer kühl, an den Aussichtspunkten weht Wind, und im Auto läuft die Klimaanlage. Im Sommer helfen Kappe und Sonnencreme. Nehmen Sie eine kleine Tasche, damit beim Aufstieg die Hände frei bleiben. Einen halben Liter Wasser pro Person gebe ich im Auto aus, für diesen Tag nehmen Sie aber besser noch einmal so viel mit. Und laden Sie das Handy am Vorabend auf, denn Sie werden mehr fotografieren, als Sie denken.
Auf dieser Route fallen keine Eintrittsgelder an, weder in den Klöstern noch anderswo, vor Ort zahlen Sie also nur das Mittagessen. Alles andere ist im Tourpreis enthalten: das Auto mit Kraftstoff für den ganzen Tag, meine Führung in Ihrer Sprache (Englisch, Deutsch, Russisch oder Rumänisch), Abholung und Rücktransfer innerhalb von Chișinău und das Wasser. Ist Ihnen Italienisch, Spanisch oder Türkisch lieber, fährt ein Guide aus meinem Team mit, der diese Sprache spricht. Bis zu vier Personen fahre ich im Toyota Prius+, fünf oder sechs im Opel Vivaro, sieben bis zwanzig im Mercedes Sprinter. Zwanzig Menschen gehen langsamer als zwei, und auch das plane ich ein.
Mit Kindern oder wenn jemandem Steigungen schwerfallen
Kindern gefällt dieser Tag meist besser als eine Führung durch Museumssäle, denn Wasserfälle und Aufstieg sind für sie ein Spiel. Eine Bedingung gibt es: Das Kind geht die halbe Stunde hinab und die halbe Stunde hinauf selbst oder reitet auf Papas Schultern. Sitze für Kinder ab neun Monaten baue ich auf Wunsch ein, sie sind im Preis enthalten. Wenn jemand in Ihrer Gruppe den Ab- und Aufstieg in Țipova nicht schafft, sagen Sie es mir vorher, und ich passe das Programm so an, dass niemand in der Sonne auf die anderen warten oder sich quälen muss.
Die Jahreszeit
Am angenehmsten ist es von April bis Oktober. Im Frühling und Herbst wandert es sich schöner als im Sommer, und im Sommer gilt: morgens der Wald, in der Hitze das Mittagessen, danach der Felsen. Auch im Winter ist die Route möglich, Touristen gibt es dann kaum, aber nach Regen und bei Frost wird der Stein rutschig. Ist das Wetter wirklich schlecht, schlage ich selbst vor, die Fahrt zu verschieben oder eine andere Route zu nehmen, denn ich schleife Sie nicht über nasse Wege, nur um das Programm abzuhaken.
Warum ich Menschen hierher bringe
Unter meinen Tagestouren ist diese wohl die schlichteste: keine Sammlungen, keine unterirdischen Gänge mit dem Schild „größter der Welt“, nur Wald, Stein unter den Füßen und unten der Fluss. Die Gäste sind danach angenehm müde, wie nach einer guten Wanderung, und wünschen sich am nächsten Tag meist etwas Ruhiges. Wenn Sie zwei Tage in Moldau haben, rate ich deshalb, mit dieser Fahrt zu beginnen und die Keller für den zweiten Tag aufzuheben, wenn sich die Beine nach Ruhe sehnen.
Den Zeitplan, die Autos und den Preis für den Tag finden Sie auf der Tourseite: Țipova und Saharna. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie beide Wanderungen schaffen, schreiben Sie mir, und wir überlegen gemeinsam, wie wir den Tag an Ihre Gruppe anpassen.